Der Hartz IV Profi
Berufsschullehrer Olaf Neubauer hat einen Ratgeber zum Umgang mit Behörden geschrieben. Er will besonders seinen Schülern bei Problemen helfen.
Es gibt wenige Menschen, die in ihrer Freizeit Gesetzestexte und Behördenbroschüren lesen. Olaf Neubauer, Lehrer an der Ludwig-Erhard-Schule, ist so jemand. Er macht dies, weil er seinen Schülern unter anderem bei Hartz-IV-Problemen helfen will. Die häufigsten Fragen und Antworten hat der 43-Jährige in seinem Buch "Tipps und Tricks bei Behörden und Verträgen" zusammengefasst. Es ist jetzt überarbeitet erschienen. SZ-Mitarbeiterin Stefanie Waske hat ihn zu den Hintergründen befragt.
Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem ersten Buch?
Im Jahr 2003 betreute ich mit Kollegen an den Berufsbildenden Schulen in Gifhorn eine Studien- und Sozialberatung. Es kamen Schülerinnen und Schüler mit den unterschiedlichsten Problemen auf mich zu. Ich konnte vieles klären, was man in den unverständlichen Broschüren der Ämter oft gar nicht fand. Das habe ich mit Mitarbeitern bei Behörden aufgearbeitet und in einfacher Form – ohne Nennung der Namen der Betroffenen – niedergeschrieben. Als es 279 Seiten waren, habe ich mir gesagt: Du machst einen Deckel drum und bringst es als Buch heraus. Es vergeht in der Schule bis heute kaum ein Tag, wo niemand mit Problemen auf mich zukommt.
Was wollen die Schüler unbedingt wissen? Wo sehen Sie die größten Wissenslücken?
Hartz IV ist mit Abstand der größte Posten. Da gibt es auch die meisten Probleme mit den Jobcentern. Auch kommen viele mit Fragen zu BAföG und zur Berufsausbildungsbeihilfe auf mich zu.
Wo genau liegen die Probleme?
Es gibt falsche Bescheide, es fehlen Freibeträge oder Zuschläge werden vergessen, Kinder nicht berücksichtigt, falsche Mieten angenommen. Das summiert sich schnell. Wenn ein Freibetrag über mehrere Monate fehlt, merken die Betroffenen das oft nicht. Die Fehler gehen in diesem Zahlenwirrwarr unter. Viele Menschen meinen, das ist schon richtig, was die Behörde macht und kommen dann mit dem Geld nicht aus. Ich will dem Staat nichts wegnehmen, sondern nur denen, die arbeiten oder sich um Arbeit bemühen und unverschuldet in Not geraten sind, helfen. Dabei konnte ich erwirken, dass manche Haushalte eine Nachzahlung von mehreren Tausend Euro erhielten.
Warum sind so viele Bescheide falsch?
Es gibt verschiedene Gründe. Fehler sind menschlich. Es kann zum Beispiel sein, dass die Betroffenen irgendetwas versehentlich nicht eingereicht oder eine Änderung nicht mitgeteilt haben. Der Otto-Normalverbraucher weiß oft nicht, was und wie er etwas beantragen kann.
Können Sie ein Beispiel geben?
Was viele Hartz-IV-Empfänger gar nicht wissen: Wenn ich eine Frist verpasst habe, um gegen einen Bescheid Widerspruch einzulegen, kann ich einen Überprüfungsantrag stellen. Dann werden die Hartz IV-Bescheide von diesem und dem vergangenen Kalenderjahr noch einmal geprüft.
Ich staune auch, dass viele Hartz-IV-Empfänger nicht wissen, dass sie eine Befreiungskarte für ihre Bedarfsgemeinschaft bei ihrer Krankenkasse beantragen können. So bekommen sie bei Medikamenten die zu viel gezahlten Beträge zurück. Zudem haben viele Hartz IV-Empfänger keine Rundfunkgebührenbefreiung bei der Gebühreneinzugszentrale beantragt.
Olaf Neubauer: Tipps und Tricks bei Behörden und Verträgen, zweite Auflage, ISBN-10: 3839195888.
Es gibt wenige Menschen, die in ihrer Freizeit Gesetzestexte und Behördenbroschüren lesen. Olaf Neubauer, Lehrer an der Ludwig-Erhard-Schule, ist so jemand. Er macht dies, weil er seinen Schülern unter anderem bei Hartz-IV-Problemen helfen will. Die häufigsten Fragen und Antworten hat der 43-Jährige in seinem Buch "Tipps und Tricks bei Behörden und Verträgen" zusammengefasst. Es ist jetzt überarbeitet erschienen. SZ-Mitarbeiterin Stefanie Waske hat ihn zu den Hintergründen befragt.
Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem ersten Buch?
Im Jahr 2003 betreute ich mit Kollegen an den Berufsbildenden Schulen in Gifhorn eine Studien- und Sozialberatung. Es kamen Schülerinnen und Schüler mit den unterschiedlichsten Problemen auf mich zu. Ich konnte vieles klären, was man in den unverständlichen Broschüren der Ämter oft gar nicht fand. Das habe ich mit Mitarbeitern bei Behörden aufgearbeitet und in einfacher Form – ohne Nennung der Namen der Betroffenen – niedergeschrieben. Als es 279 Seiten waren, habe ich mir gesagt: Du machst einen Deckel drum und bringst es als Buch heraus. Es vergeht in der Schule bis heute kaum ein Tag, wo niemand mit Problemen auf mich zukommt.
Was wollen die Schüler unbedingt wissen? Wo sehen Sie die größten Wissenslücken?
Hartz IV ist mit Abstand der größte Posten. Da gibt es auch die meisten Probleme mit den Jobcentern. Auch kommen viele mit Fragen zu BAföG und zur Berufsausbildungsbeihilfe auf mich zu.
Wo genau liegen die Probleme?
Es gibt falsche Bescheide, es fehlen Freibeträge oder Zuschläge werden vergessen, Kinder nicht berücksichtigt, falsche Mieten angenommen. Das summiert sich schnell. Wenn ein Freibetrag über mehrere Monate fehlt, merken die Betroffenen das oft nicht. Die Fehler gehen in diesem Zahlenwirrwarr unter. Viele Menschen meinen, das ist schon richtig, was die Behörde macht und kommen dann mit dem Geld nicht aus. Ich will dem Staat nichts wegnehmen, sondern nur denen, die arbeiten oder sich um Arbeit bemühen und unverschuldet in Not geraten sind, helfen. Dabei konnte ich erwirken, dass manche Haushalte eine Nachzahlung von mehreren Tausend Euro erhielten.
Warum sind so viele Bescheide falsch?
Es gibt verschiedene Gründe. Fehler sind menschlich. Es kann zum Beispiel sein, dass die Betroffenen irgendetwas versehentlich nicht eingereicht oder eine Änderung nicht mitgeteilt haben. Der Otto-Normalverbraucher weiß oft nicht, was und wie er etwas beantragen kann.
Können Sie ein Beispiel geben?
Was viele Hartz-IV-Empfänger gar nicht wissen: Wenn ich eine Frist verpasst habe, um gegen einen Bescheid Widerspruch einzulegen, kann ich einen Überprüfungsantrag stellen. Dann werden die Hartz IV-Bescheide von diesem und dem vergangenen Kalenderjahr noch einmal geprüft.
Ich staune auch, dass viele Hartz-IV-Empfänger nicht wissen, dass sie eine Befreiungskarte für ihre Bedarfsgemeinschaft bei ihrer Krankenkasse beantragen können. So bekommen sie bei Medikamenten die zu viel gezahlten Beträge zurück. Zudem haben viele Hartz IV-Empfänger keine Rundfunkgebührenbefreiung bei der Gebühreneinzugszentrale beantragt.
Olaf Neubauer: Tipps und Tricks bei Behörden und Verträgen, zweite Auflage, ISBN-10: 3839195888.


